Dienstag, 19. Januar 2021

Elektroanzug für „Neuromodulation“ gegen Spastiken: Ottobock integriert Start-up

Der „Exopulse Mollii Suit“ kann nach Schlaganfall, bei Cerebralparese und Multipler Sklerose mobilisieren

Ottobock hat am 13. Januar Exoneural Network übernommen. Das schwedische Start-up entwickelte den innovativen „Exopulse Mollii Suit“. Der Anzug löst verkrampfte Muskeln mit elektrischen Impulsen. Damit könnten Menschen mit Spastiken mobilisiert werden, was ein unabhängigeres Leben ermöglichen kann.

Mit der vollständigen Übernahme erweitert das international tätige Medizintechnikunternehmen Ottobock sein Portfolio im aussichtsreichen Feld der Neuro-Orthetik: „Neben einer breiteren Versorgung der Anwender setzen wir auf Synergieeffekte zwischen der Technologie des Start-ups und unseren orthetischen Versorgungen“, sagt CEO Philipp Schulte-Noelle. „Die Akquisition passt perfekt in unsere Strategie in der Neuro-Orthetik zur Bekämpfung von Muskelerkrankungen. Mit den neuen Kolleginnen und Kollegen aus Vertrieb, Forschung und Entwicklung arbeiten wir nun an der Integration in die Ottobock Familie.“ Während Entwicklung, Produktion und Zulieferung in der Verantwortung von Exoneural Network verbleiben, übernimmt Ottobock die globale Distribution und erschließt den Markt für die Technologie.

So funktioniert der „Exopulse Mollii Suit“

Der Anzug ist mit 58 Elektroden bestückt, die geschultes Fachpersonal per Steuerung individuell für die TrägerInnen einstellt. Niederfrequente Elektrostimulation entspannt die Muskeln, erhöht die Blutzirkulation und stellt bei Spastiken* das gehemmte Gleichgewicht zwischen Muskelpaaren wieder her. Wenn etwa der Bizeps verkrampft, stimuliert der Anzug den Trizeps, um den Bizeps zu lockern. Damit ist die Technik komplementär zur Funktionellen Elektrostimulation (FES), die durch kleine elektrische Impulse Nerven stimuliert und damit Bewegungen auslöst. Neuromodulation ist eine Technologie, die direkt auf die Nerven einwirkt, um eine natürliche biologische Reaktion hervorzurufen. Es handelt sich dabei um die Veränderung - oder Modulation - der Nervenaktivität durch elektrische Impulse direkt an einem Zielgebiet. Die reziproke Hemmung - induziert durch den Exupulse Mollii - ist ein Beispiel für eine natürliche biologische Reaktion durch Neuromodulation.

Wie wirkt der „Exopulse Mollii Suit“ in der Praxis?

Verkrampfte Muskeln sind die Folgen spastischer Lähmungen und anderer neurologischer Bewegungsstörungen. Sie werden etwa durch Schlaganfälle, Cerebralparese oder Multiple Sklerose ausgelöst. Die ehemalige schwedische Ski-Crossathletin Anna Holmlund erlangte etwa nach schweren Hirnverletzungen bei einem Unfall einen Teil ihrer Beweglichkeit zurück.

Auch K. Weber (25) aus Deutschland ist ein Anwender, der seine Erfolge mit der Öffentlichkeit teilt. Der junge Mann leidet unter Tremor, der seinen Körper oft zum Zittern bringt. Das macht es ihm manchmal schwer, einfache Dinge zu tun. In Herrn Webers Fall aktiviert und entspannt der Exopulse Mollii Suit jeweils die dominante und die antagonistische Muskulatur, um das Zittern zu kontrollieren. "Ich kann endlich wieder davon träumen, zur Arbeit zu gehen", sagt er. K. Weber war einer der ersten Nutzer des Exopulse Mollii Suit, der den Anzug von seiner Krankenkasse erstattet bekommen hat.

Weitere Informationen unter www.exopulse.com

*Hinweis: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 19.01.2021 als Pressemitteilung publiziert und am 04.05.2021 nach der Integration aktualisiert.

Ansprechpartnerin

Maja Hoock

PR Managerin

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Maja.Hoock@ottobock.de