Donnerstag, 28. Januar 2021

Exoskelett entlastet Chirurgen im OP

Das Exoskelett Paexo Shoulder – unter der OP-Kleidung – entlastet Schulter- und Armmuskulatur von Prof. Dr. Veit Rohde bei längeren neurochirurgischen Operationen.

„Paexo Shoulder“ hilft Ärzten, ergonomischer und präziser zu operieren

Chirurginnen und Chirurgen operieren häufig über Stunden in statischen Positionen: Ein verdrehter Oberkörper und Hals, dauerhaft erhobene Arme und sich wiederholende Bewegungen belasten Muskeln und Gelenke. Das ermüdet den Körper und erhöht das Risiko für arbeitsbedingte Erkrankungen. 68 Prozent der Chirurgen berichteten Studien zufolge über allgemeine Schmerzen sowie über Beschwerden in Rücken (50 %), Nacken (48 %) und Armen oder Schultern (43 %)[1] – besonders bei minimalinvasiven Operationen[2]. Aufgrund der berufsbedingten Beschwerden müssen sie sich häufig selbst behandeln lassen, fallen aus oder gehen sogar in den Vorruhestand.

Industrielles Exoskelett erstmalig im OP

„Bei uns in der Neurochirurgie suchen wir laufend nach neuen Ideen, um die Ergonomie im Operationssaal zu verbessern“, so Prof. Dr. med. Veit Rohde, Klinikdirektor Neurochirurgie der Universitätsmedizin Göttingen. „Seit Anfang 2020 testen wir ein industrielles Exoskelett, das während mikrochirurgischer Operationen, zum Beispiel in der hinteren Schädelgrube, die Haltung der Arme unterstützt. Die Ergebnisse sind sehr positiv: Mit dem Paexo Shoulder ermüden meine Arm- und Schultermuskeln weniger und ich kann auch längere Operationen mit gleichbleibend hoher chirurgischer Präzision durchführen.“

Paexo Shoulder wurde vom Medizintechnikunternehmen Ottobock entwickelt, um gesündere Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk zu schaffen. Seit dem Frühjahr 2020 unterstützt das Exoskelett erstmals ChirurgInnen in Kliniken in Deutschland, der Schweiz und in den Niederlanden: „Die Ärzte tragen das Paexo Shoulder eng am Körper, ähnlich wie einen Rucksack. Mithilfe einer mechanischen Seilzugtechnik leitet das Exoskelett das Gewicht der erhobenen Arme über die Armschalen auf die Hüfte ab“, erklärt Dr. Sönke Rössing, Leiter von Ottobock Industrials.

Als passives Exoskelett benötigt es keine Energiezufuhr und ist deshalb mit unter zwei Kilogramm Gewicht das leichteste seiner Art. Das Design orientiert sich an natürlichen menschlichen Bewegungen, wodurch ChirurgInnen mit dem Exoskelett unter der OP-Kleidung problemlos gehen, sitzen und Instrumente greifen können. Das stellt auch die Sterilität im OP sicher.

Kliniken, die das Exoskelett Paexo Shoulder im Einsatz prüfen möchten, können ein Testpaket ab 1.900 Euro buchen. Hier begleitet ein Ergonomie-Experte aus dem Ottobock Industrials Team die Einführung am Arbeitsplatz und berät die teilnehmenden ÄrztInnen.

Exoskelette von Ottobock

Seit 2012 forscht Ottobock an Lösungen, um Menschen mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten zu entlasten und gesündere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das Unternehmen bietet eine breite Palette von passiven Exoskeletten und Ergonomielösungen, z. B. Paexo Back für die Entlastung des Rückens, Paexo Shoulder und Paexo Neck zur Unterstützung bei der Überkopfarbeit sowie Paexo Thumb und Paexo Wrist zur Entlastung des Daumens bzw. des Handgelenks.

Ein persönliches Angebot und weitere Informationen erhalten InteressentInnen per E-Mail (paexo@ottobock.com) oder telefonisch (+49 5527 848-1482). Weiterführende Informationen unter paexo.com.

Fotos:

Bild 1: Das Exoskelett Paexo Shoulder – unter der OP-Kleidung – entlastet Schulter- und Armmuskulatur von Prof. Dr. Veit Rohde bei längeren neurochirurgischen Operationen. © Neurochirurgische Klinik Universitätsmedizin Göttingen/NCHI

Bild 2: Prof. Dr. Veit Rohde kann das Exoskelett Paexo Shoulder vor der Operation in unter 20 Sekunden anlegen. © Neurochirurgische Klinik Universitätsmedizin Göttingen/NCHI

Bild 3: Prof. Dr. Marcos Tatagiba, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Tübingen, im Anwendungstest des Paexo Shoulder bei einer Operation in halbsitzender Lagerung. Das Paexo Shoulder unterstützt dabei die ruhige Haltung der Arme und Schultern während der Benutzung des Operationsmikroskops. © Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Tübingen

Quellen:

[1] Chee-Chee H. Stucky, Kate D. Cromwell, Rachel K. Voss, Yi-Ju Chiang, Karin Woodman, Jeffrey E. Lee, Janice N. Cormier (2018): Surgeon symptoms, strain, and selections: Systematic review and meta-analysis of surgical ergonomics. Annals of Medicine and Surgery, Volume 27, 1-8.

[2] Maria C. Gutierrez-Diez, Maria A. Benito-Gonzalez, Ramon Sancibrian, Marco A. Gandarillas-Gonzalez, Carlos Redondo-Figuero & Jose C. Manuel-Palazuelos (2018): A study of the prevalence of musculoskeletal disorders in surgeons performing minimally invasive surgery. International Journal of Occupational Safety and Ergonomics, 24:1, 111-117.

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Gesa Liss

PR Managerin

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