Mittwoch, 07. Juli 2021

Forschungspartnerschaft: Gehen nach Querschnittslähmung

Ottobock und Robot Rehabilitation Center in Japan

Die neue Forschungspartnerschaft kombiniert Orthesen und Robotik im Reha-Programm für Querschnittgelähmte.

Bionische Gliedmaße und Orthesen helfen Menschen mit Behinderung, ein mobileres Leben zu führen. Nun bauen Wissenschaftler die Reha-Erfolge im Feld der Robotik aus. Im Jahr der Paralympischen Spiele 2021 in Japan etabliert Ottobock eine Forschungsgemeinschaft mit dem Roboter Rehabilitationszentrum in Kobe. Die Forscher kombinieren den robotischen Anzug HAL mit Ottobocks C-Brace. Die computergesteuerte Beinorthese erspart nach einem inkompletten Querschnitt in einigen Fällen den Rollstuhl. Dr. Takaaki Chin, Direktor des Roboter Rehabilitationszentrums: „Mein Ziel der kombinierten Therapie ist es, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, dass sich Patienten mit sowohl inkompletter als auch kompletter Querschnittslähmung nach regenerativer medikamentöser Behandlung wieder unabhängig in ihrem Umfeld bewegen können.“ Ottobock stellt in der Forschungspartnerschaft C-Brace Orthesen zur Verfügung.

Forscher kombinieren Roboteranzug HAL mit Mikroprozessor Orthese C-Brace

Der japanische Robotik-Professor und Gründer von Cyberdyne, Yoshiyuki Sankai, entwickelte in den 1990er Jahren HAL (Hybrid Assistive Limb). Heute unterstützt das robotische Exoskelett Gelähmte in der Rehabilitation in Japan: Sensoren registrieren Muskelsignale auf der Haut, ein Mikroprozessor wandelt sie in Bewegungsbefehle um und das Gelenk bewegt sich. Ein Nachteil: HAL wird über mehrere Monate in der Reha angewandt, ist aber aufgrund seiner Größe wenig alltagstauglich. Ohne den Anzug lassen Erfolge mit der Zeit nach. An diesem Punkt kommt das C-Brace von Ottobock ins Spiel.

Dr. Andreas Hahn, Leiter der klinischen Forschung bei Ottobock: „Die Kombination von Roboteranzügen wie HAL als Initialbehandlung und die Fortführung der Rehabilitation mit C-Brace ist ein innovativer Ansatz für schwer betroffene Patienten.“ Die Forschungspartnerschaft kam zustande, als er auf dem Weltkongress der International Society for Prothetics and Orthotics (ISPO) den Kongresspräsidenten, Dr. Takaaki Chin, traf. Dr. Andreas Hahn: „Die Möglichkeiten, die er in seinem Rehabilitationszentrum geschaffen hat, sind ebenso faszinierend, wie seine Offenheit zur interdisziplinären Zusammenarbeit zum Wohl der Patienten.“ Dr. Chin nutzt unter anderem auch die Knieprothese Kenevo von Ottobock in der frühen Rehabilitation.

Kooperation mit Japan – Schmelztiegel moderner Robotik

Eine Gemeinsamkeit zwischen Japan und Deutschland ist der demografische Wandel: In Japan soll bis 2060 40% der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein; in Deutschland jeder Dritte. So wächst der Bedarf an Orthesen, Exoskeletten, Prothesen und neuen Technologien, die Menschen möglichst lange aktiv halten. Ottobocks Chief Technology Officer (CTO), Dr. Andreas Goppelt: „Ich freue mich sehr, wenn C-Brace als revolutionäre Lähmungsorthese auch in Japan helfen wird, Mobilität wiederzuerlangen. Japan ist nicht zuletzt aufgrund seiner Demographie der zweitgrößte Medizintechnikmarkt weltweit. Unsere Mission ist es, die Lebensqualität der Anwender und Anwenderinnen zu verbessern! Und über die Partnerschaft mit dem renommierten Robot Rehabilitation Center in Kobe freuen wir uns besonders.“

Japan ist eines der globalen Epizentren der Robotik – sowohl in der Medizintechnik, als auch in der Industrie. Die größten Hersteller sitzen dort; darunter Fanuc, Yaskawa und Omron. Roboter findet man in Flughafen-Terminals, Supermärkten und in der Pflege. „Gleichzeitig sucht man noch nach dem idealen Weg, um sie sicher und effizient einzusetzen“, sagt Senior Adviser Yuichi Yano von Ottobock Tokio. Daran forscht auch Dr. Chin. Er sagt: „Vor fünfzehn Jahren, als sich noch niemand mit Robotik im medizinischen Bereich beschäftigte, war ich überzeugt, dass das eine starke Rehabilitationsstrategie sein könnte. Deshalb beschloss ich, das erste Roboter Rehabilitationszentrum in Japan zu gründen. Mein Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen durch robotische Rehabilitation zu helfen.“

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