Dienstag, 30. November 2021

Symposium „Sicherheit. Funktionalität. Wahrnehmung. Vom Schlagwort zum Sachverhalt“

Mechatronische Knieprothesen bei PatientInnen mit eingeschränkter Mobilität

Am 30.11. gaben ExpertInnen Einblicke in ihre Forschung und Fortschritte bei der Verbesserung der Lebensqualität für AnwenderInnen.

Dr. Arun Jayaraman (Executive Director Technology & Innovation Hub am Shirley Ryan AbilityLab, Chicago) beschreib seine Forschung zu Oberschenkelamputationen bei arteriellen Verschlusskrankheiten. Im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie untersuchte sein Team Vorzüge einer fortschrittlicheren Prothese: „Es zeigte sich, dass eine Person durch die Versorgung mit einer mikroprozessorgesteuerten Knieprothese in Verbindung mit einem passenden Fußsystem vom Niveau K2 auf ein höheres Mobilitätsniveau gelangt. Wir beobachten bei diesen Personen also bei angemessener Akklimatisierung und Verwendung im häuslichen Bereich klinisch signifikante Verbesserungen“, sagte Dr. Jayaraman. Die Studie untersucht, welche Wirkung ein mikroprozessorgesteuertes C-Leg mit passendem Fuß bei Oberschenkelamputierten mit Mobilitätsgrad MFCL K2 in Bezug auf Mobilität, Sicherheit und die Ausführung alltäglicher Aktivitäten erzielt. Sie ergab Evidenz für klinisch aussagekräftige Leistungsverbesserungen wie eine höhere Gehgeschwindigkeit, eine Verringerung der Anzahl von Stürzen und hohe Partizipationsraten, was für eine verbesserte Lebensqualität spricht.

Ganganalyse demonstriert Verbesserungen

Dr. Fiona Davie-Smith (Clinical Coordinator Scottish Specialist Prosthetics Service, NHS Greater Glasgow and Clyde) und Dr. Bruce Carse (Clinical Scientist, West of Scotland Mobility and Rehabilitation Centre, NHS Greater Glasgow and Clyde), stellten ihre Befunde auf der Basis realer Patientendaten bei der Umstellung von einem mechanischen zu einem mikroprozessorgesteuerten Knie vor. Grundlage der Studie waren PatientInnen mit niedrigem Aktivitätsgrad nach einer unilateralen Oberschenkelamputation. Früheren Untersuchungen zufolge profitiert die Gruppe von einer mikroprozessorgesteuerten Knieprothese auf der Basis, dass sie älter, weniger mobil und stärker Sturz-gefährdet ist. Mit einer Ganganalyse konnte das Team kinematische Veränderungen identifizieren. Dr. Carse und Dr. Davie-Smith präsentierten Patientenfälle und Videos zur Illustrierung der Gangverbesserung. Ihre Studie liefert Belege für den Nutzen von MPKs bei niedrigem Aktivitätsgrad benennt die Vorteile: ein verbessertes Selbstbewusstsein, weniger Stürze und weniger Abweichungen im Gang. Damit zeigen sie, dass MPKs das Potenzial haben, wesentliche Veränderungen bei AnwenderInnen mit niedrigem Aktivitätsgrad zu bewirken. Das Team stellte ein Zitat eines Studienteilnehmers vor: „Ich kann ganz normal gehen. Menschen, die mich auf der Straße treffen, bemerken bei diesem Bein nicht, dass ich amputiert bin. Aber bei dem alten Bein war es sofort klar und sie machten einen großen Bogen um mich.“

Mehr Leistung und Sicherheit

Dr. Andreas Hahn, MSc (Vice President Clinical Research & Services Ottobock HealthCare Products GmbH, Wien) präsentierte eine Metaanalyse der Wirkung mikroprozessorgesteuerter Knieprothesen. Klinische Studien belegen deren Nutzen im Hinblick auf Leistung, Sicherheit, Wahrnehmung und Kosteneffizienz. Der Zugang zu MCFL-2 ist allerdings begrenzt, was häufig mit einem angeblichen Mangel an klinischen Nachweisen begründet wurde. Bei einer systematischen Überprüfung von neun Datenbanken kategorosierte er Studienergebnisse nach Sicherheit, Leistung und Wahrnehmung. Seine Analyse zeigt, dass die Anzahl klinischer Nachweise erheblich gewachsen ist. Die Studienergebnisse belegen, dass es sich bei mikroprozessorgesteuerten Knieprothesen um eine wertvolle therapeutische Option für Personen mit Oberschenkelamputation und geringer Mobilität handelt. In diesem Bereich kann also von einem Mangel an Nachweisen nicht mehr die Rede sein: „Wir sehen, dass es in den letzten Jahren viel Aktivität in diesem Forschungsfeld gegeben hat. Es sind extrem viele Studien mit guter Validität vorgestellt worden. Und bei keiner einzigen Studie hat das Ergebnis einer Knieprothese ohne Mikroprozessorsteuerung den Vorzug gegenüber einem mikroprozessorgesteuerten Knie gegeben, was ich bemerkenswert finde.“

Moderiert wurde das Symposium von Prof. Dr. Frank Braatz, Leiter des Schwerpunkts Medizinische Orthobionik an der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie (Universitätsklinikum Göttingen). Er fasste das Webinar zusammen: „Sicherheit und Lebensqualität sind für Amputationspatienten mit eingeschränkter Mobilität sehr wichtig. Es gibt zahlreiche Studien zur Verwendung von mikroprozessorgesteuerten Knieprothesen bei Patienten mit geringen K-Werten. Wir haben einen hervorragenden Überblick über die aktuellen Studien gewonnen. Die fortwährende Zunahme der Evidenz liefert Ärzten weitere Unterstützung für ihre Entscheidungen und wir warten gespannt auf die zukünftigen Untersuchungen.“

Das englischsprachige Symposium wurde aufgezeichnet und ist hier als Video verfügbar.

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