Vor der Beinamputation

Informieren Sie sich darüber, was im Vorfeld einer geplanten Amputation geschieht und wie Sie sich vorbereiten können.

Zusammenfassung

Bereiten Sie sich auf eine geplante Amputation vor

Möglicherweise wissen Sie schon seit Längerem, dass eine Amputation auf Sie zukommt. Auch wenn dieses Wissen sehr belastend ist – Sie sind in diesem schwierigen Lebensabschnitt nicht auf sich allein gestellt. Ihr Behandlungsteam wird Sie unterstützen und für Ihre Fragen und Probleme offen sein.

Amputationsgründe

Die häufigsten Ursachen für eine Beinamputation

Als Amputation bezeichnet man die Durchtrennung eines Knochens im gesunden Gewebe. Bei einer Abtrennung eines Körperteils im Gelenk spricht man auch von Exartikulation. Eine Amputation ist notwendig, wenn die Heilung eines kranken Körperteils nicht zu erwarten und das Leben des Patienten dadurch gefährdet ist. Ursachen können beispielsweise Durchblutungsstörungen, Infektionen, Unfälle, Krebserkrankungen oder eine angeborene Fehlbildung der Gliedmaßen (Dysmelie) sein. In einigen der genannten Fällen zeichnet sich schon längere Zeit ab, dass eine Amputation notwendig wird. Im Gegensatz dazu muss manchmal auch ganz unvorhergesehen amputiert werden, zum Beispiel wegen schwerer Verletzungen nach einem Unfall.



Amputation bei Durchblutungsstörungen

Amputation bei Durchblutungsstörungen

Sogenannte Arterielle Verschlusskrankheiten sind in der westlichen Welt die Hauptursachen für Amputationen. Neben anderen Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes ist das so genannte „Raucherbein“ eine sehr bekannte und weit verbreitete arterielle Verschlusskrankheit. Bei einer Durchblutungsstörung wird das Bein nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt. Als Betroffener spüren Sie häufig Schmerzen und das Gehen tut weh. Das Bein oder der Fuß sind kälter als der Rest des Körpers und manchmal auch bläulich gefärbt. Hierbei gilt: Eine Amputation der unteren Extremitäten erfolgt nur, wenn die Durchblutung durch andere gefäßchirurgische Maßnahmen nicht mehr wiederhergestellt werden kann. Ziel ist es auch bei Teilamputationen, den Rest des Fußes oder des Beines zu erhalten.

Amputation bei diabetischem Fußsyndrom

Amputation bei diabetischem Fußsyndrom

Das diabetische Fußsyndrom ist eine der häufigsten Ursache für Bein- oder Fußamputationen. Doch obwohl immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen und damit die Anzahl der an Diabetes mellitus Erkrankten steigt, verändern sich die Zahlen der Amputationen wenig. Der Grund liegt in einer besseren Versorgung und neuen Möglichkeiten für Betroffenen.

Generell verursacht Diabetes mellitus gleich mehrere Störungen, die sich gegenseitig verstärken.

  • Verminderte Schweißproduktion verursacht trockene und rissige Füße und Beine.

  • Zuckerablagerungen in den Nerven führen dazu, dass die Erkrankten Risse und Wunden nicht mehr spüren.

  • Wundheilung ist bei Diabetes mellitus sehr viel schlechter

  • Bei erneuter Belastung der wunden Stellen vergrößern sich die Wunden. Das Gewebe entzündet sich und stirbt ab.

Weiter besteht das Risiko, dass sich Fuß und Bein schneller entzünden, weil aufgrund der Diabetes die Durchblutung gestört ist und Zellen absterben.



Amputation nach einem Unfall

Amputation nach einem Unfall

Die Häufigkeit von Amputationen nach Unfällen – dazu zählen beispielsweise Arbeitsunfälle oder Verkehrsunfälle – haben in der westlichen Welt deutlich abgenommen. Die Gründe sind vielfältig, unter anderem gibt es höhere Standards in der Arbeitssicherheit. Fortschritte in der Intensivmedizin und Chirurgie führen dazu, dass nach einer Verletzung Nerven, Gefäße, Knochen und Weichteile der Gliedmaßen in vielen Fällen wiederhergestellt werden können und eine Amputation als letzter Schritt nicht notwendig ist.

Amputation aufgrund von Tumoren

Amputation aufgrund von Tumoren

Amputationen durch Krebserkrankungen sind relativ selten. Häufig befinden sich jedoch Tumore nahe am Knie oder im Bereich der Hüfte. Amputationen im Hüft- und Beckenbereich sind in ca. der Hälfte der Fälle auf Tumore zurückzuführen. Ziel einer Amputation in diesem Fall ist es, das Leben der Erkrankten zu retten, indem verhindert wird, dass sich die Krebszellen verbreiten und andere Körperregionen befallen.

Amputation nach einer Infektion

Amputation nach einer Infektion

Seit 1877 Louis Pasteur die Wirkung von Antibiotika beschrieben hat, sind Amputationen aufgrund von Infektionen sehr selten geworden. Die hohen antiseptischen Standards in der medizinischen Versorgung und Tetanusimpfungen sind weitere Gründe für den Rückgang. Seien Sie dennoch auch bei kleinsten Verletzungen achtsam. Entzündungszeichen sind beispielsweise Rötung, Schwellung, Fieber und Schmerzen an einer Wunde.

Prüfen Sie auch, ob Ihr Tetanusschutz noch aktuell ist. Die Empfehlung des Robert-Koch Instituts ist, dass alle zehn Jahre eine Auffrischung erfolgen sollte, bei Wunden teilweise schon früher. Bitte kontaktieren Sie in jedem Fall Ihren Arzt.



Amputationshöhe

Die geeignete Amputationshöhe wird festgelegt

Mit dem Begriff Amputationshöhe beschreibt man die Stelle, an der ein Körperteil amputiert wird. Neben anderen Faktoren entscheidet auch die Amputationshöhe über die jeweils geeignete Prothese.

Die Amputationshöhe wird vor der Operation vom Arzt festgelegt und richtet sich nach dem Grund für die Amputation. Bei geplanten Eingriffen wird meistens auch ein Orthopädietechniker zu Rate gezogen, um mit ihm zu klären, welche Amputationshöhe für die nachfolgende Versorgung mit einer Prothese die geeignete ist.



Versorgungsteam

Diese Experten sind für Sie da und behandeln Sie

Ihre Versorgung vor und nach einer Amputation liegt in den Händen eines Teams, das sich aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammensetzt. Wer dazu gehört und welche Rolle jeder in Ihrer Behandlung übernimmt, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Eine ganz zentrale Rolle innerhalb dieses Teams übernimmt der Orthopädietechniker. Wir raten Ihnen, den Kontakt zu ihm nach Möglichkeit schon vor der Amputation zu suchen – unsere Expertenliste hilft Ihnen jemanden zu finden, der bereits viel Erfahrung in der Arbeit mit Beinamputierten hat und Sie daher gut beraten kann.

Chirurg

Chirurg

Der Chirurg berät Sie vor der Amputation und führt diese durch. Im besten Fall stimmt er sich bereits mit Ihrem Orthopädietechniker darüber ab, wie die Operation verlaufen wird. Gemeinsam können Chirurg und Orthopädietechniker beispielsweise schon vorher die Gestaltung Ihres Stumpfes erörtern, das erleichtert nachher die Anpassung Ihres Prothesenschaftes. Nach der Amputation beaufsichtigt der Chirurg Ihre Genesung und verschreibt Ihnen die Rehabilitation.



Haus- und Facharzt

Haus- und Facharzt

Ihr Haus- und Facharzt hat Sie in der Regel bereits vor der Amputation betreut, er ist somit über den Verlauf Ihrer Erkrankung informiert. Wenn Sie Verschreibungen für neue Prothesenpassteile oder für weitere Rehamaßnahmen benötigen, steht er dafür zur Verfügung.

Sozialpädagogen und soziale Dienste

Sozialpädagogen und soziale Dienste

In der Regel kümmert sich bereits im Krankenhaus ein Sozialpädagoge oder ein anderer Mitarbeiter des Sozialdienstes um Sie. Seine Aufgabe ist es, Sie bei Ihrer Rückkehr in Ihren Alltag zu unterstützen. Dazu gehören Themen wie Wohnung, Bildung, Arbeit, Familie, Einkommen oder soziale Netzwerke. Er zeigt Ihnen auf, welche Leistungen es gibt und wie Sie diese nutzen können. Zu den Leistungen gehören zum Beispiel medizinische, sonder- und heilpädagogische Maßnahmen oder Förderungen zur Teilnahme am sozialen Leben.

Stationäres Pflegepersonal

Stationäres Pflegepersonal

Nach der Amputation kümmern sich Pflegekräfte im Krankenhaus sowie spezialisierte Wundmanager um Ihre Wundheilung, die richtige Lagerung und die Kompression Ihres Stumpfes. Dabei stehen Sie idealerweise im Austausch mit Ärzten, Orthopädietechniker und Therapeut.

Physio- und Ergotherapeuten

Physio- und Ergotherapeuten

Physio- und Ergotherapeuten unterstützen Sie sowohl im Krankenhaus, während der Rehabilitation als auch im Alltag. Ihre Aufgabe ist es, Sie zu mobilisieren, Ihre Muskulatur zu kräftigen und zu dehnen und mit Ihnen das Gehen und die Bewältigung Ihres Alltags zu erlernen und weiter zu verbessern. Im Krankenhaus kümmern sich Therapeuten außerdem auch um die Kompressionstherapie.

Orthopädietechniker

Orthopädietechniker

Ihr Orthopädietechniker nimmt eine zentrale Rolle ein, da er Sie mit einer geeigneten Prothese versorgt und Ihnen bei Fragen beratend zur Seite stehen kann. Im Vorfeld einer Amputation kann er bereits mit dem Chirurgen besprechen, wie Ihr Stumpf nach Möglichkeit gestaltet werden sollte, er kann Ihnen erfahrene Therapeuten oder orthopädische Schuhmacher empfehlen und Kontakte zu anderen Amputierten herstellen. Fragen Sie ihn auch nach Dingen wie Ansprechpartner für einen häuslichen Umbau oder Veränderungen am Auto.

Bei der Versorgung mit einer Prothese klärt er mit Ihnen Ihre Bedürfnisse und Wünsche ab und bespricht mit Ihnen verschiedene Versorgungmöglichkeiten. Darauf aufbauend wählt er die geeigneten Prothesenpassteile aus und stellt die Prothese mit einem individuellen Schaft für Sie her. Bereits kurz nach der Amputation wird er Ihren Stumpf untersuchen und herausfinden, ob für Sie eine Interimsprothese in Frage kommt.

Für alle Fragen rund um Ihre Prothese steht Ihnen Ihr Orthopädietechniker zur Verfügung.



Orthopädischer Schuhmacher

Orthopädischer Schuhmacher

Eventuell benötigen Sie neben der Prothese für Ihren gesunden Fuß passendes Schuhwerk. Das kann z.B. der Fall sein, wenn Sie an Durchblutungsstörungen leiden. Auch bei Teilfußamputationen können orthopädische Schuhe für Sie in Frage kommen, sofern Sie keine Teilfußprothese tragen. Fragen Sie Ihren Orthopädietechniker nach Kontakten.

Ambulantes Pflegepersonal

Ambulantes Pflegepersonal

In Abhängigkeit zu Ihrer familiären Situation unterstützen ambulante Pflegekräfte Sie im Umgang mit der Prothese und übernehmen auch die Kompression und Mobilisierung im Alltag.

Angehörige und soziales Umfeld

Angehörige und soziales Umfeld

Auch Ihre Angehörigen tragen zu Ihrer Rehabilitation bei und werden versuchen, Sie so gut es geht in Ihrem Alltag zu unterstützen. Welche Rolle sie konkret einnehmen können, hängt natürlich von Ihrer persönlichen Situation ab. Es ist möglich, dass ein Angehöriger Sie täglich im Umgang mit der Prothese unterstützt und Ihnen bei alltäglichen Aufgaben hilft.